Zimmerei Carl B. Carstensen

Zimmerei
Carl B. Carstensen

Zimmerermeister · Niebüll-Deezbüll

Holzbau · Innenausbau · Bautischlerei · Treppenbau · Fassadenbau

Zunftzeichen der Zimmerer

Ratgeber Holzbau: konstruktiver Holzschutz an Dach, Decke, Fassade und Treppe

Zimmerei Carl B. Carstensen · Stand:

Ob Dachstuhl, Balkendecke, Fassade oder Treppe: Holz am Haus hält dann lange, wenn es trocken bleibt oder nach einem Regenschauer schnell wieder abtrocknen kann. Darum geht es beim konstruktiven Holzschutz. Die Grundlagen dafür stehen in DIN 68800. An der Westküste kommen Sturm und Schlagregen als besondere Belastung hinzu. Für Dachstuhl, Holzbalkendecke, Fassade und Treppe gibt es je einen eigenen Beitrag.

Warum die Holzfeuchte der Maßstab ist

Holz zerstörende Pilze brauchen Feuchtigkeit. DIN 68800-2:2022-02 regelt die vorbeugenden baulichen Maßnahmen im Hochbau. Als wichtigste Maßnahme gegen Pilze gilt dort, die Holzfeuchte durch die Konstruktion auf höchstens 20 % zu begrenzen. Die einfachste Maßnahme gegen Insekten ist die Verwendung technisch getrockneten Holzes. Chemischer Holzschutz kommt erst dort ins Spiel, wo bauliche Mittel nicht ausreichen.

Die Norm gilt ausdrücklich auch für Modernisierung, Sanierung und Instandsetzung, nicht nur für Neubauten. Wer also einen alten Dachstuhl repariert, eine Balkendecke öffnet oder eine Fassade erneuert, plant den Holzschutz mit. Die Norm unterscheidet dabei grundsätzliche Maßnahmen, die immer gelten, von besonderen Maßnahmen. Mit den besonderen Maßnahmen lässt sich ein Bauteil der Gebrauchsklasse 0 zuordnen, in der weder Pilze noch Insekten eine Gefahr darstellen.

Gebrauchsklassen nach DIN 68800-1

Wie stark ein Holzbauteil gefährdet ist, beschreibt DIN 68800-1:2019-06 mit Gebrauchsklassen. Sie richten sich danach, ob ein Bauteil im Innenraum, unter Dach oder im Freien eingebaut ist und ob es Kontakt mit Erde oder Wasser hat. Maßgeblich ist immer die höchste Klasse, die an einem Bauteil vorkommt, und sie gilt dann für das ganze Bauteil.

Gebrauchsklassen und Feuchtebeanspruchung nach DIN 68800-1
GebrauchsklasseFeuchtebeanspruchungWas das bedeutet
GK 0ständig trockenweder Pilze noch Insekten gefährden das Bauteil
GK 1ständig trockenkeine Gefahr durch Pilze, Insektenbefall ist möglich
GK 2 und GK 3.1gelegentlich feuchtHolz muss rasch wieder abtrocknen können
GK 3.2häufig feuchtnur besonders dauerhafte Kernhölzer oder geschütztes Holz
GK 4 und GK 5ständig feuchtfür Bauteile am Wohnhaus in der Regel zu vermeiden

Für die vier Bauteile dieses Ratgebers bedeutet das: Dachstuhl, Holzbalkendecke und Innentreppe sollen dauerhaft trocken bleiben. Die Fassadenbekleidung ist bewittert und gehört je nach Wasserablauf in die Gebrauchsklasse 3.1 oder 3.2. Bei der Fassade entscheiden daher die Holzart und der Wasserablauf, bei den inneren Bauteilen vor allem dichte Dächer, dichte Leitungen und ein Dachraum, den man kontrollieren kann.

Wind und Regen an der Westküste

Nach der Übersicht des Deutschen Instituts für Bautechnik liegen alle Gemeinden im Kreis Nordfriesland in Windzone 4, der höchsten Windzone in Deutschland. Für Holzbauteile hat das zwei Folgen. Erstens wirken bei Sturm große Sogkräfte auf Dach und Fassade. Verankerung von Sparren und Pfetten, Befestigung der Fassadenlattung und Abstände der Unterkonstruktion müssen dafür ausgelegt sein. Zweitens treibt der Wind Regen gegen die Wand und unter Bleche und Anschlüsse.

Im Alltag zeigt sich das an wenigen, immer gleichen Stellen: an der Traufe, wo die Rinne überläuft, an Fensterbänken der Wetterseite, an Durchdringungen von Schornstein und Rohren und am Sockel. Wer diese Stellen regelmäßig kontrolliert, findet Schäden, bevor sie das Tragwerk erreichen. Wie die Befestigung einer Fassade in Windzone 4 aussieht, zeigt der Beitrag zur Holzfassade mit Hinterlüftung.

Im Bestand: erst öffnen, dann planen

An älteren Häusern ist das Holz oft hinter Putz, Dielen oder Dämmung verborgen. Eine verlässliche Planung beginnt deshalb mit gezielten Bauteilöffnungen: an den Sparrenfüßen, an den Balkenköpfen in den Außenwänden und unter früheren Nassbereichen. Dort wird die Holzfeuchte gemessen und das Holz auf Pilze und Insekten geprüft.

Dabei können drei Fachleute gefragt sein. Der Tragwerksplaner rechnet nach, ob das Tragwerk die alten und neuen Lasten trägt. Ein Holzschutz-Sachverständiger wird gebraucht, sobald der Verdacht auf Echten Hausschwamm besteht. Für die Bekämpfung gilt DIN 68800-4:2020-12, die beim Hausschwamm auch das Mauerwerk einbezieht. Die Zimmerei schließlich setzt die Maßnahmen am Holz um. Auch ohne Baugenehmigung bleibt die Bauherrschaft für Standsicherheit und Brandschutz verantwortlich. Darauf weist die Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung Schleswig-Holstein hin.

Wie diese Schritte am Dach ablaufen, beschreibt der Beitrag Dachstuhl sanieren. Was unter alten Dielen zu finden ist, zeigt der Beitrag zur Holzbalkendecke im Altbau.

Welche Regeln für welches Bauteil gelten

Wichtige Regelwerke für die Bauteile dieses Ratgebers
BauteilRegelwerkeWorum es geht
DachstuhlDIN 68800-2, DIN 68800-4, Eurocode 5, Gebäudemodernisierungsgesetz Anlage 7Holzschutz, Bekämpfung von Befall, Bemessung, Dämmung bei neuer Eindeckung
HolzbalkendeckeDIN 68800-4, DIN 4109-1, Gebäudemodernisierungsgesetz § 35 und Anlage 7Balkenköpfe, Trittschall zwischen Wohnungen, Dämmung der obersten Geschossdecke
HolzfassadeDIN 68800-1 und -2, Fachregel 01 des Zimmererhandwerks, § 28 und § 30 LBOHolzarten, Spritzwasserschutz, Hinterlüftung, Brandschutz der Außenwand und an der Grundstücksgrenze
HolztreppeDIN 18065, DIN EN 16481, § 34 und § 38 LBOSteigung, Auftritt, Laufbreite, Handlauf, Geländer, Brandschutz notwendiger Treppen

Für Treppen gilt in Schleswig-Holstein: DIN 18065 ist als Technische Baubestimmung eingeführt, in Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 aber nicht vorgeschrieben. Warum es sich trotzdem lohnt, ihre Maße einzuhalten, und wie man Steigung und Auftritt berechnet, erklärt der Beitrag Holztreppe planen. Einen Überblick über alle Arbeiten der Zimmerei gibt die Seite Was wir können.

Häufige Fragen

Braucht ein Dachstuhl heute noch chemischen Holzschutz?

Nicht in jedem Fall. DIN 68800-2 setzt bauliche Maßnahmen an die erste Stelle. Erreicht eine Konstruktion durch trockenes Holz, Schutz vor Wasser und Kontrollierbarkeit die Gebrauchsklasse 0, kann auf vorbeugende Holzschutzmittel verzichtet werden. Wo das nicht gelingt, bleibt chemischer Schutz eine Möglichkeit. Bei einem bestehenden Befall gelten die Bekämpfungsmaßnahmen nach DIN 68800-4.

Woran erkenne ich, ob Holz am Haus zu feucht ist?

Hinweise sind dunkle Verfärbungen, Wasserränder, muffiger Geruch, weiches Holz unter der Oberfläche und Schimmel auf Holz oder Putz. Sicher wird es erst mit einer Messung der Holzfeuchte. Liegt sie dauerhaft über 20 %, muss die Ursache gefunden werden. Das Holz nur zu trocknen hilft nicht, wenn das Wasser weiter nachkommt.

Was sollten wir vor dem ersten Termin mit der Zimmerei bereitlegen?

Hilfreich sind alte Pläne und Statikunterlagen, soweit vorhanden, Fotos der Schadstellen und Notizen zu früheren Wasserschäden oder Umbauten. Wichtig ist außerdem, was geplant ist: Dachausbau, Bad im Obergeschoss, neue Eindeckung oder eine Solaranlage. Davon hängt ab, welche Lasten der Bestand künftig tragen muss.

Normen und Regelwerke