Holztreppe planen: Maße, Bauarten und Holz für die Treppe im Haus
Zimmerei Carl B. Carstensen · Stand:
Die alte Treppe ist steil und knarrt, oder der Dachboden wird ausgebaut und braucht endlich einen festen Zugang. Am Anfang jeder neuen Holztreppe stehen zwei Maße: die Höhe von Fertigfußboden zu Fertigfußboden und der Platz, den der Grundriss für den Lauf hergibt. Aus ihnen ergeben sich Steigung, Auftritt und die Form der Treppe. Erst danach geht es um Holzart und Bauweise. Unten ist das für eine Geschosshöhe von 275 cm durchgerechnet, zusammen mit den Regeln, die in Schleswig-Holstein gelten.
Welche Regeln für Treppen gelten
Die Landesbauordnung Schleswig-Holstein regelt Treppen in § 34. Jedes nicht zu ebener Erde liegende Geschoss, also auch der Keller, und der benutzbare Dachraum müssen über mindestens eine Treppe zugänglich sein, die notwendige Treppe. Einschiebbare Treppen und Leitern sind in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 nur als Zugang zu einem Dachraum ohne Aufenthaltsraum erlaubt. Jede Treppe braucht einen festen und griffsicheren Handlauf, und sie darf nicht unmittelbar hinter einer Tür beginnen, die zur Treppe hin aufschlägt. Die freien Seiten von Treppenläufen sind nach § 38 LBO zu umwehren; bei Absturzhöhen von 1 bis 12 m muss die Umwehrung mindestens 0,90 m hoch sein.
Für den Brandschutz unterscheidet die Bauordnung nach Gebäudeklassen. In den Gebäudeklassen 1 und 2 stellt sie an die tragenden Teile notwendiger Treppen keine Anforderung. In Gebäudeklasse 3 müssen sie nichtbrennbar oder feuerhemmend sein, eine Holztreppe braucht dort also eine feuerhemmende Ausführung. Ab Gebäudeklasse 4 verlangt § 34 nichtbrennbare Baustoffe.
Die Maße einer Treppe beschreibt DIN 18065:2020-08 „Gebäudetreppen“. In Schleswig-Holstein ist sie als Technische Baubestimmung eingeführt. Nach der Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung ist ihre Anwendung in Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 und innerhalb von Wohnungen allerdings nicht vorgeschrieben. Für das Geländer verweist die Vollzugsbekanntmachung dagegen auf die Norm: Um die sogenannte Leiterwirkung zu vermeiden, also das Hochklettern am Geländer, sind deren Anforderungen zu erfüllen. Wir empfehlen, die Hauptmaße der Norm auch im Einfamilienhaus als Maßstab zu nehmen. Sie beschreiben eine Treppe, auf der man sicher geht, auch mit einem Wäschekorb in der Hand.
Steigung und Auftritt berechnen
Die Steigung s ist die Höhe einer Stufe, der Auftritt a das waagerechte Maß von Stufenvorderkante zu Stufenvorderkante. Für notwendige Treppen in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen nennt DIN 18065 in ihrer Tabelle der Hauptmaße diese Grenzwerte:
| Maß | Grenzwert |
|---|---|
| Nutzbare Laufbreite | mindestens 80 cm |
| Steigung s | 14 bis 20 cm |
| Auftritt a | 23 bis 37 cm |
Innerhalb dieser Grenzen entscheidet die Schrittmaßregel über die Bequemlichkeit: Zwei Steigungen und ein Auftritt sollen zusammen etwa eine Schrittlänge ergeben: 2s + a zwischen 59 und 65 cm. Gerechnet wird meist mit 63 cm. Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Maßen:
- Geschosshöhe von Fertigfußboden zu Fertigfußboden: 275 cm.
- Bei einer Zielsteigung um 18 cm ergeben sich 275 : 18 = 15,3, also 15 Steigungen.
- Steigung: 275 : 15 = 18,33 cm.
- Auftritt nach der Schrittmaßregel: 63 − 2 × 18,33 = 26,34, gerundet 26,3 cm.
- Eine gerade Treppe mit 15 Steigungen hat 14 Auftritte, denn die oberste Stufe ist der Fußboden. Die Lauflänge im Grundriss beträgt 14 × 26,34 = 368,8, also rund 369 cm.
Passt die Treppe nicht in den Grundriss, ändert man die Zahl der Steigungen oder die Form. Die folgende Tabelle zeigt, was eine Stufe mehr oder weniger bedeutet:
| Steigungen | Steigung s | Auftritt a | Lauflänge |
|---|---|---|---|
| 14 | 19,6 cm | 23,7 cm | 308 cm |
| 15 | 18,3 cm | 26,3 cm | 369 cm |
| 16 | 17,2 cm | 28,6 cm | 429 cm |
Alle drei Varianten liegen in den Grenzen für Wohngebäude. Bei 14 Steigungen liegt der Auftritt jedoch unter 26 cm. Eine geschlossene notwendige Treppe ist dann nach DIN 18065 so zu unterschneiden, dass Auftritt und Unterschneidung zusammen 26 cm Trittfläche ergeben, hier also um mindestens 2,3 cm. Die Variante mit 14 Steigungen ist gut 60 cm kürzer, aber spürbar steiler. Mit 16 Steigungen wird die Treppe bequemer, dafür braucht sie rund 60 cm mehr Länge als die Variante mit 15 Steigungen. Ändert sich die Lauflänge, ändern sich auch Lage und Länge des Treppenlochs in der Decke darüber.
Begriffe an der Holztreppe nach DIN 18065 (schematisch).
- Steigung s: Höhe von Stufenoberkante zu Stufenoberkante
- Auftritt a: waagerechter Abstand zwischen den Vorderkanten zweier Stufen
- Unterschneidung: Die Vorderkante ragt über die Stufe darunter hinaus
- Trittstufe
- Setzstufe; bei offenen Treppen fehlt sie
- Wange, die die Stufen trägt
- Handlauf, fest und griffsicher nach § 34 LBO
Welche Bauart zu welchem Grundriss passt
Eine gerade Treppe ist am einfachsten zu bauen und zu begehen, braucht aber die volle Lauflänge in einer Richtung. Viertel- oder halbgewendelte Treppen führen um eine oder zwei Ecken und brauchen weniger Grundfläche. In den Wendelstufen wird der Auftritt zur Innenseite schmaler. DIN 18065 enthält dafür eine eigene Messregel für den Auftritt an der schmalsten Stelle. Ein Podest ist die großzügigste Lösung für eine Richtungsänderung und nimmt die meiste Grundfläche ein.
Konstruktiv unterscheidet man vor allem diese Bauweisen:
- Wangentreppe: Die Stufen sind in seitliche Wangen eingestemmt oder liegen auf ihnen auf, dann spricht man von einer aufgesattelten Treppe. Sie ist robust und gut geeignet, wenn eine Seite an der Wand liegt.
- Bolzentreppe: Die Stufen sind an der Wand befestigt und untereinander mit Bolzen verbunden. Das wirkt leicht, setzt aber eine tragfähige Wand voraus.
- Faltwerktreppe: Tritt- und Setzstufen bilden ein geschlossenes Zickzack. Sie wird an der Wand oder auf einer verdeckten Unterkonstruktion befestigt und braucht eine sorgfältige Bemessung.
Für die Bemessung von Holztreppen gibt es mit DIN EN 16481:2014-09 eine eigene Norm mit Berechnungsmethoden. Sie richtet sich an den Tragwerksplaner und den Treppenbauer. Für Bauherren zählt vor allem, dass Bauart, Wand und Decke zusammenpassen.
Treppenloch, Decke und Dachraum
Ist die Decke eine Holzbalkendecke, werden für das Treppenloch Balken abgeschnitten und von einem Querbalken, dem Wechsel, aufgenommen. Wie lang das Loch sein muss, hängt von Lauflänge, Steigung und der freien Kopfhöhe über den Stufen ab. DIN 18065 nennt als lichte Durchgangshöhe mindestens 2,00 m; in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen darf sie an den Rändern etwas geringer sein. Wird die Decke ohnehin geöffnet, lohnt ein Blick auf die Balkenköpfe; der Beitrag Holzbalkendecke im Altbau sanieren zeigt, worauf es ankommt.
Soll eine Treppe in einen bisher ungenutzten Dachraum führen, gehört die Statik des Dachs in dieselbe Planung. Dabei müssen manchmal Kehlbalken oder Stiele, die der Treppe im Weg stehen, versetzt oder durch andere Bauteile ersetzt werden. Wie man den Bestand dafür prüft, steht im Beitrag Dachstuhl prüfen und sanieren.
Holz, Oberfläche und Geräusche
Für Stufen eignen sich harte Laubhölzer wie Eiche, Buche oder Esche, weil sie Abrieb und Stöße gut vertragen. Nadelhölzer sind weicher und bekommen eher Dellen. Treppenholz muss so weit getrocknet sein, wie es dem Raumklima im beheizten Haus entspricht. Sonst schwinden die Stufen nachträglich und bilden Fugen. Geölte Oberflächen lassen sich stellenweise ausbessern, Lacke bilden einen geschlossenen Film. Auf beiden sollte die Trittfläche rutschhemmend bleiben.
Knarren entsteht, wenn Teile der Treppe sich gegeneinander bewegen: eine geschwundene Stufe in der Wange oder ein lockerer Keil. Eine fest verschraubte, sorgfältig eingepasste Treppe aus trockenem Holz bleibt leiser. Gegen Trittschall in den Nachbarraum helfen entkoppelte Auflager an Wand und Decke. DIN 4109-1 verlangt Schallschutz nur zwischen fremden Wohn- und Nutzungseinheiten. Im eigenen Haus wird der gewünschte Schallschutz deshalb vertraglich vereinbart.
Eine Außentreppe aus Holz ist dagegen der Witterung ausgesetzt. Für sie gelten ähnliche Grundsätze wie für eine Holzfassade an der Küste. Waagerechte Stufen halten Wasser allerdings länger als eine senkrechte Fassade. Sie brauchen deshalb Kernholz besonders dauerhafter Arten, Abstand zum Boden und Gefälle, damit Wasser abläuft. Treppenbau gehört zu unseren Leistungen. Wie Holz an Dach, Decke und Fassade trocken bleibt, fasst der Ratgeber zum konstruktiven Holzschutz zusammen.
Häufige Fragen
Unsere alte Treppe ist steiler als die Norm. Muss sie ersetzt werden?
Nicht allein deshalb. Nach der Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung kann man davon ausgehen, dass von rechtmäßig errichteten Anlagen bei unveränderter Nutzung keine Gefahren ausgehen, die eine Anpassung an neues Recht verlangen. Anders ist es, wenn eine erhebliche Gefahr besteht oder die Treppe ohnehin ersetzt wird. Eine neue Treppe wird nach den heutigen Regeln geplant.
Reicht eine Einschubtreppe zum ausgebauten Dachgeschoss?
Nein. Nach § 34 LBO ist eine Einschubtreppe in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 nur als Zugang zu einem Dachraum ohne Aufenthaltsraum zulässig. Sobald unter dem Dach ein Zimmer entsteht, braucht das Geschoss eine notwendige Treppe. Ob eine besonders steile Treppenform mit wenig Grundfläche dafür in Frage kommt, sollten Sie vor der Planung mit der Bauaufsicht klären.
Wie breit sollte eine Treppe im Einfamilienhaus sein?
DIN 18065 nennt für notwendige Treppen in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen eine nutzbare Laufbreite von mindestens 80 cm. Das ist ein Mindestmaß. Wer Möbel oder später einen Treppenlift über die Treppe bringen will, plant breiter.
Braucht eine Treppe im Einfamilienhaus zwei Handläufe?
Nach § 34 Absatz 6 LBO braucht jede Treppe einen festen und griffsicheren Handlauf. Handläufe auf beiden Seiten sind vorzusehen, soweit die Verkehrssicherheit das erfordert. Für Kinder und ältere Menschen ist ein zweiter Handlauf in jedem Fall eine Erleichterung.
Normen und Regelwerke
- DIN 18065:2020-08: Gebäudetreppen; Begriffe, Messregeln, Hauptmaße
- DIN EN 16481:2014-09: Holztreppen; Bauplanung und Berechnungsmethoden
- Landesbauordnung Schleswig-Holstein: § 34 Treppen, § 38 Umwehrungen
- Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung Schleswig-Holstein: Anwendung der DIN 18065, Brandschutz notwendiger Treppen, Bestandsschutz (zu § 34 und § 58a)
- DIN 4109-1:2018-01: Mindestanforderungen an den Schallschutz zwischen fremden Wohnungen