Holzfassade: Aufbau, Holzarten und Details für das Küstenklima
Zimmerei Carl B. Carstensen · Stand:
Eine Holzfassade wird nass. An der Wetterseite eines Hauses in Nordfriesland treibt der Wind den Regen gegen die Bretter, am Sockel spritzt Wasser vom Pflaster hoch. Das schadet dem Holz nicht, solange es danach rasch abtrocknen kann. Wie lange eine Holzfassade hält, hängt deshalb weniger vom Anstrich ab als vom Aufbau dahinter und von einigen Details am Sockel, an den Stößen und an den Fenstern.
Der Aufbau von innen nach außen
Holzfassaden werden in der Regel als hinterlüftete Bekleidung gebaut. Maßgeblich ist die Fachregel 01 des Zimmererhandwerks, „Außenwandbekleidungen aus Holz“; Hersteller wie Osmo verweisen in ihren Montageanleitungen darauf. Von innen nach außen folgen diese Schichten aufeinander:
- Die tragende Wand, gemauert oder als Holzständerwand.
- Bei gedämmten Wänden die Dämmung zwischen einer Unterkonstruktion aus Kanthölzern, die mit zugelassenen Dübeln und Schrauben an der Wand befestigt ist.
- Eine diffusionsoffene Bahn, die die Dämmung vor Wind und eindringendem Wasser schützt.
- Die Lattung, die den Luftraum bildet. Bei senkrechten Brettern braucht es eine Konterlattung: Grundlattung senkrecht, Traglattung waagerecht.
- Die Bekleidung aus Brettern, nach der Fachregel mindestens 18 mm dick.
Zwischen Dämmung und Bekleidung muss nach der Herstelleranleitung ein Luftspalt von mindestens 20 mm bleiben. Unten und oben braucht die Luftschicht Öffnungen von mindestens 50 cm² je Meter Wandlänge, damit Luft nachströmen kann. Ein Lüftungsgitter schützt dort vor Kleintieren. Wichtig ist, dass die Luft auch an Fenstern und unter der Traufe ungehindert ein- und ausströmen kann.
Sockel einer hinterlüfteten Holzfassade, schematisch und nicht maßstäblich.
- Tragende Wand
- Dämmung zwischen der Unterkonstruktion aus Kanthölzern
- Diffusionsoffene Bahn vor der Dämmung
- Luftschicht hinter der Traglattung, nach Herstelleranleitung mindestens 20 mm; die senkrechte Konterlattung liegt außerhalb der Schnittebene (gestrichelt), Luft strömt von unten nach oben
- Bekleidung aus Vollholz, nach Fachregel 01 mindestens 18 mm dick, unten mit Tropfkante
- Lüftungsgitter: Öffnung mindestens 50 cm² je Meter Wandlänge, schützt vor Kleintieren
- Abstand zwischen Unterkante Holz und Gelände: 30 cm, mit Kiesstreifen 15 cm
- Kiesstreifen der Körnung 16/32 vor der Fassade
Der Sockel: 30 Zentimeter Abstand
Am Sockel ist eine Holzfassade am stärksten beansprucht. Regen prallt vom Boden ab und benetzt die unteren Bretter immer wieder, Schmutz und Laub halten das Wasser fest. Nach den Grundsätzen von DIN 68800-2 gilt ein Bauteil als spritzwasserfrei, wenn zwischen Hirnholz und Boden 30 cm liegen. Mit einem breiten Kiesstreifen der Körnung 16/32 oder einem breiten Gitterrost lässt sich der Abstand auf 15 cm verringern.
Ebenso wichtig ist das untere Ende selbst. Die Bretter dürfen nicht in einem nach unten geschlossenen Profil stehen, in dem sich ablaufendes Wasser sammelt. Das Hirnholz an der Unterkante bekommt eine Tropfkante, und das Lüftungsgitter sitzt so, dass es den Wasserablauf nicht staut. Wo eine Terrasse an die Fassade anschließt, gilt der Spritzwasserabstand auch zum Terrassenbelag.
Welche Holzarten für die Fassade taugen
DIN 68800-1 unterscheidet bei bewitterten Bauteilen zwei Stufen: Gebrauchsklasse 3.1 für gelegentliche und 3.2 für häufige Befeuchtung. Ist der Spritzwasserschutz eingehalten, lässt die Norm einige Kernhölzer ohne chemischen Holzschutz zu.
| Holzart | Einsatz nach DIN 68800-1 | Hinweis aus der Praxis |
|---|---|---|
| Lärche | bis Gebrauchsklasse 3.1 | harzreich; Splintholz aussortieren |
| Douglasie | bis Gebrauchsklasse 3.1 | ähnlich wie Lärche; Splintholz aussortieren |
| Eiche | bis Gebrauchsklasse 3.2 | gerbstoffhaltig: nur nichtrostende Schrauben, sonst dunkle Flecken |
| Robinie, Edelkastanie | bis Gebrauchsklasse 3.2 | als Fassadenholz seltener; Lieferlängen vorher klären |
| Fichte, Tanne | keiner Stufe zugeordnet; nach Fachregel 01 bei fachgerechter Ausführung bewährt | weniger dauerhaft als die Kernhölzer darüber; Sockel und Stöße umso sorgfältiger ausbilden |
Für Fassaden nach der Fachregel ist weder für die Unterkonstruktion noch für die Bekleidung ein vorbeugendes Holzschutzmittel nötig. Im Haus sieht die Auswahl anders aus: Dort bleibt das Holz trocken, und bei einer Treppe zählen Härte und Abriebfestigkeit mehr als Witterungsbeständigkeit, wie der Beitrag Holztreppe planen zeigt.
Bretter, Stöße, Schrauben
Für die Bekleidung gibt es mehrere Profile. Bei der Boden-Deckel-Schalung überdecken die Deckbretter die Bodenbretter nach der Anleitung auf jeder Seite um mindestens 20 mm. Die Deckbretter werden nur an der Unterkonstruktion befestigt, nicht am Bodenbrett, damit das Holz arbeiten kann. Stülpschalungen mit waagerechten, überlappenden Brettern lassen das Wasser nach außen ablaufen. Offene Profile wie Rhombusleisten lassen Licht und Regen durch die Fugen. Dahinter gehört eine UV-beständige Bahn, die für offene Bekleidungen geeignet ist.
Stumpfe Stöße, bei denen zwei Brettenden direkt aufeinandertreffen, sollen vermieden werden. Dort sammelt sich Wasser und trocknet nur langsam. Die Anleitung empfiehlt stattdessen eine offene Fuge von 10 mm, auch an Gebäudeecken. Für die Befestigung nennt sie Edelstahlschrauben A2, deren Länge mindestens der doppelten Brettdicke entspricht. Zum Brettende bleiben mindestens 3 cm, und an den Brettenden werden die Löcher vorgebohrt. Für sichtbare Befestigungen gelten nichtrostende Verbindungsmittel mindestens der Korrosionsbeständigkeitsklasse CRC II. Direkt an der Küste kann eine höhere Klasse nötig sein, etwa A4; das klärt man mit dem Hersteller der Schrauben.
Für die Unterkonstruktion nennt die Herstelleranleitung Holz der Sortierklasse S10 oder Festigkeitsklasse C24 mit höchstens 20 % Holzfeuchte. Die Latten stehen höchstens 65 cm auseinander, in Windzone 4 höchstens 50 cm. Das betrifft Niebüll direkt: Das Deutsche Institut für Bautechnik ordnet alle Gemeinden im Kreis Nordfriesland der Windzone 4 zu. Ein Rechenbeispiel mit einer angenommenen Wandlänge von 10 m: Bei 65 cm Abstand braucht man 17 senkrechte Latten, bei 50 cm sind es 21.
Anstrich oder natürlich vergrauen lassen
Unbehandeltes Holz vergraut unter UV-Licht und Regen. Unter einem Dachüberstand geschieht das langsamer als an der freien Wetterseite, deshalb wird eine Fassade zunächst fleckig grau. Wer das nicht möchte, wählt eine Beschichtung. Sie wird vor der Montage allseitig aufgetragen, Schnittkanten werden nachbehandelt. Eine Beschichtung ersetzt allerdings keinen konstruktiven Holzschutz. Sie braucht regelmäßige Kontrolle und von Zeit zu Zeit eine Erneuerung, je nach Lage, Farbton und Produkt.
Viel bewirkt ein ausreichender Dachüberstand. Wird der Dachstuhl ohnehin saniert, lohnt die Frage, ob sich der Überstand vergrößern lässt; wie man den Bestand dafür prüft, beschreibt der Beitrag Dachstuhl sanieren oder erneuern.
Was Bauordnung und Energierecht sagen
An kleineren Gebäuden lässt das Brandschutzrecht eine Holzfassade weitgehend zu. Nach § 28 Absatz 5 der Landesbauordnung Schleswig-Holstein entfallen bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 die Anforderungen „schwerentflammbar“ und „nichtbrennbar“ an Außenwände. Ein- und Zweifamilienhäuser liegen in aller Regel in diesen Klassen. Eine Ausnahme sind Gebäudeabschlusswände an der Grundstücksgrenze oder weniger als 2,50 m davon entfernt, etwa zwischen Doppelhaushälften. Ihre Bekleidung muss nach § 30 Absatz 7 LBO samt Dämmung und Unterkonstruktion nichtbrennbar sein. Für die Gebäudeklassen 4 und 5 sind hinterlüftete Bekleidungen aus normalentflammbaren Baustoffen, Dämmstoffe ausgenommen, nur nach den eingeführten Technischen Baubestimmungen möglich, etwa der Holzbaurichtlinie. In manchen Gemeinden regeln örtliche Bauvorschriften nach § 86 LBO außerdem die Gestaltung von Fassaden.
Wird die bestehende Außenwand eines beheizten Hauses neu verschalt, greift das Gebäudemodernisierungsgesetz. Nach Anlage 7 Nummer 1b darf die Wand dann einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,24 W/(m²·K) nicht überschreiten. Ausnahmen nennt Fußnote 2 der Anlage. Außerdem gilt die Pflicht nicht, wenn höchstens 10 % der Außenwandfläche des Gebäudes geändert werden. Ein Beispiel mit angenommenen Maßen: Bei 180 m² Außenwand macht ein verschalter Giebel von 16 m² knapp 9 % aus. Ist die Dämmdicke aus technischen Gründen begrenzt, genügt die höchstmögliche Dicke mit einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von höchstens 0,035 W/(m·K).
Eine dichte Fassade schützt auch das, was in der Wand liegt. In älteren Häusern sind das oft Balkenköpfe der Decken, die im Mauerwerk aufliegen; worauf es bei ihnen ankommt, steht im Beitrag Holzbalkendecke sanieren. Fassadenbau gehört zu unseren Leistungen als Zimmerei. Warum trockenes Holz auch im Dach und in den Decken der Maßstab ist, steht im Ratgeber Holzbau.
Häufige Fragen
Lärche oder Douglasie: Was hält an der Küste länger?
Nach DIN 68800-1 darf das Kernholz beider Arten ohne chemischen Holzschutz bis Gebrauchsklasse 3.1 eingesetzt werden. Für die Haltbarkeit zählt vor allem das Detail: kein Splintholz, 30 cm Abstand am Sockel und keine Stöße, in denen Wasser stehen bleibt.
Muss eine Holzfassade gestrichen werden?
Für die Haltbarkeit nicht. Eine Fassade nach der Fachregel braucht kein Holzschutzmittel, und unbehandeltes Holz vergraut lediglich. Ein Anstrich ist eine Frage der Gestaltung. Wer sich dafür entscheidet, plant Kontrolle und Erneuerung des Anstrichs von Anfang an ein.
Dürfen wir unser Haus mit Holz verkleiden, ohne zu dämmen?
In der Regel nicht, wenn dahinter beheizte Räume liegen. Wer eine bestehende Außenwand neu verschalt, muss nach Anlage 7 des Gebäudemodernisierungsgesetzes einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,24 W/(m²·K) einhalten, sofern keine Ausnahme greift. Kleine Teilflächen bis 10 % der Außenwandfläche sind ausgenommen. Die Unterkonstruktion plant man deshalb gleich so tief, dass die Dämmung hineinpasst.
Wie viel Abstand braucht die Holzfassade zur Terrasse?
Dieselben 30 cm wie zum Gelände, denn auch vom Terrassenbelag spritzt Wasser hoch. Ein breiter Gitterrost oder ein breiter Kiesstreifen der Körnung 16/32 vor der Fassade erlaubt, den Abstand auf 15 cm zu verringern. Ein ebenerdiger Übergang mit noch weniger Abstand ist eine Sonderkonstruktion und braucht eine eigene Planung.
Normen und Regelwerke
- DIN 68800-1:2019-06: Holzschutz, Allgemeines; Gebrauchsklassen und Holzarten
- DIN 68800-2:2022-02: vorbeugende bauliche Maßnahmen, darunter der Spritzwasserschutz
- Osmo: Montageanleitung Glattkantprofile: Unterkonstruktion, Luftspalt, Lüftungsöffnungen und Befestigung nach Fachregel 01
- Landesbauordnung Schleswig-Holstein: § 28 Außenwände, § 30 Brandwände und Gebäudeabschlusswände
- Vollzugsbekanntmachung zur Landesbauordnung Schleswig-Holstein: Außenwände und Bekleidungen (zu § 28)
- Gebäudemodernisierungsgesetz, Anlage 7: Anforderungen beim Verschalen bestehender Außenwände (Nummer 1b)